Herzegovina

Wasserfälle, verlassene Orte und Männer, die von Brücken springen

 

Wie bereits in meinem letzten Blogbeitrag erwähnt, habe ich von Dubrovnik aus einen Tagesausflug nach Bosnien und Herzegovina gemacht. Diesen Ausflug haben wir zwei Tage davor gebucht und sind schließlich mit einem kleinen Bus und 16 anderen Leuten in die Region Herzegovina gefahren. Hauptgrund, dass wir diesen Ausflug gebucht haben, war, dass ich immer schon nach Mostar wollte. Die anderen Orte, die wir an diesem Tag besichtigten, habe ich zwar vom Namen her gekannt, hätte mir aber nie gedacht, dass sie so schön sind.

Früh morgens um 7:30 wurden wir in Dubrovnik bei einer Bushaltestelle gleich neben unserem Hotel abgeholt und zu einem Treffpunkt gebracht, an dem wir gemeinsam mit den anderen Leuten, die an diesem Ausflug teilnahmen, auf unseren Bus warteten. Ein paar Minuten später kam er auch schon und wir stiegen ein. Der Fahrer hatte einen kroatischen Namen, sagte aber, wir dürften in Johnny nennen, da dies einfacher zu merken sei. Während der gesamten Fahrt erzählte uns Johnny so einiges über die Geschichte, Kultur und Wirtschaft Kroatiens und Bosniens und über die Orte, durch die wir fuhren. Meiner Meinung nach, hat er fast ein Bisschen zu viel geredet, da wir alle noch sehr müde waren.

 

— NEUM —

Als wir die Grenze zu Bosnien passierten, waren wir auch gleich in Neum. Dabei handelt es sich um die einzige Stadt Bosniens, die am Meer liegt. Zwar gibt es hier Strände, das Meer gehört aber offiziell Kroatien. Ich kann mir gut vorstellen, dass man hier Hotels um einiges günstiger buchen kann, als dies in Kroatien der Fall ist. Perfekt also, für einen Strandurlaub nahe Dubrovnik, aber trotzdem abseits von Touristenmassen.

Hier hätten wir eigentlich knapp eine Stunde Aufenthalt eingeplant gehabt, da wir aber noch über zwei Grenzen mussten und lange Wartezeiten vermeiden wollten, haben wir uns dazu entschieden, hier nur eine kurze Kaffeepause einzulegen.

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— KRAVICE WASSERFÄLLE —

 Wie schon gesagt, mussten wir noch über zwei Grenzen, denn Dubrovnik ist vom Rest Kroatiens abgeteilt. Wir fuhren also von Bosnien und Herzegovina zurück nach Kroatien, um dann noch einmal nach Bosnien und Herzegovina zu fahren. Kaum waren wir über die letzte Grenze drüber, habe ich gedacht, ich sehe nicht richtig. Überall, wirklich überall, lag Müll herum. Ganz egal, ob wir auf Bundesstraßen fuhren oder auf Landstraßen, wo weit und breit keine Ortschaft zu sehen war und wo uns kilometerweit kein Auto entgegen kam. Überall lagen Plastikflaschen, alte Autoreifen und Sonstiges.

Nichtsdestotrozt freuten wir uns schon auf unseren nächsten Halt, die Kravice Wasserfälle. Johnny fragte, ob jemand baden gehen möchte, denn dann würden wir hier etwas mehr Zeit verbringen als geplant, damit sich das auch auszahlt. Nur meine Freundin und ich hatten einen Bikini dabei, die anderen Leute im Bus waren aber alle damit einverstanden, hier etwas länger zu bleiben, da man auch die Möglichkeit hat, sich in ein Lokal zu setzen und von dort aus den Ausblick auf die Wasserfälle zu genießen. Bevor wir den Bus verließen und die Stufen in Richtung der Wasserfälle gingen, wurden wir noch gewarnt, dass es hier viele Schlangen gibt, gesehen haben wir (zum Glück) keine. Kaum waren wir unten, sind wir auch schon ins Wasser gesprungen. Ich kann nur sagen, dass es eisig kalt war (und das Mitte Juli!). Ich bin dann also sofort wieder hinausgegangen, um ein paar Fotos zu schießen, und habe dann noch einen Versuch gewagt, ins Wasser zu  gehen. Weit bin ich allerdings wieder nicht gekommen. 😉

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— POČITELJ —

Der nächste Ort auf unserer Liste war Počitelj. Dies ist ein ganz kleines Dorf irgendwo im Nirgendwo. Das einzige Gebäude, in das man hier hineingehen kann, ist die Moschee, alle anderen Gebäude sind geschlossen. Ansonsten gibt es noch eine Burgruine und ein Café, das für Touristen geöffnet hat. Die paar Menschen, die hier noch leben, sind richtig arm. In manchen Gassen stehen ein paar ältere Damen und versuchen selbstgemachte Handarbeiten zu verkaufen. Ein paar von ihnen lächelten mich an, sie hatten keine Zähne mehr.

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— MOSTAR —

Von Počitelj aus sind wir weiter gefahren nach Mostar, unserem letzten Stopp für diesen Tag. Hier hatten wir etwas mehr Zeit zur Verfügung, als an den anderen Orten, und wir hatten die Möglichkeit, an einer Stadtführung teilzunehmen. Die Stadtführung dauerte nicht lange, wir gingen vom Busbahnhof vorbei an einer Kirche, hin zu der berühmten Brücke Stari Most (daher kommt auch der Name der Stadt, „stari“ heißt „alt“ und „most“ ist „die Brücke“) und dann weiter zum Hamam Museum. Der Stadtführer erzählte uns unterwegs auch immer wieder, welche Gebäude im Krieg zerbombt worden sind und welche noch gar nicht wieder aufgebaut wurden. Danach brachte er uns zu einem Lokal, dass er Besuchern immer empfiehlt. Dabei handelte es sich um ein Restaurant mit typisch bosnischen Speisen. Noch bevor wir überhaupt bestellten, bekamen wir einen Schnaps, da dieser den Appetit anregen soll und nach dem Essen bekamen wir auch noch eine gratis Nachspeise. Das Essen war sehr gut, ich habe gefüllte Paprika („Dolma“) gegessen, die umgerechnet 5€ kosteten und die Portion war so groß, dass ich sie fast nicht wegessen konnte.

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Nach dem Essen machten wir uns auf eigene Faust auf den Weg, um die Stadt noch ein Bisschen zu erkunden. Wir gingen über die Brücke drüber, zwischen Touristenmassen hindurch. Die Brücke ist heute vor allem dafür bekannt, dass Männer davon hinunter in den kalten Fluss Neretva springen. Dazu gibt es sogar ein eigenes Festival, das jedes Jahr an einem Wochenende im Sommer stattfindet. Leider waren wir nicht zu diesem Zeitpunkt dort, allerdings kann man die Sprünge, wenn man Glück hat, auch so beobachten. Denn einige Männer sammeln von Touristen Geld ein, und wenn sie 30€ zusammen bekommen  haben, springt einer von der Brücke. Touristen wird übrigens davon abgeraten zu springen, da das Wasser nicht tief ist und sehr, sehr kalt. Außerdem muss man einem Club beitreten, um springen zu dürfen.

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Wir gingen weiter durch die belebte Fußgängerzone hindurch. Links und rechts reihen sich Geschäfte aneinander, verkauft wird alles, von Souvenirs über Strickwaren bis hin zu Handtaschen und Tischtüchern. Es ist sehr heiß in der Innenstadt. Zuvor wurde uns gesagt, dass es sich bei Mostar um die zweitheißeste Stadt Europas handelt. Daher sind die meisten Häuser aus Steinen gebaut und haben auch Steindächer. Dies hält zwar die Häuser schön kühl, allerdings staut sich die Hitze dadurch in der Stadt und kann auch nicht weichen, da rundherum überall Berge sind. Wir hatten allerdings Glück, denn an dem Tag, an dem wir hier waren, hatte es „nur“ knappe 30°C, normalerweise hat es um diese Jahreszeit, Mitte Juli, auch oft 45°C.

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Unser Weg führte uns weiter zu einer Moschee. Hier muss man ja die Schultern und die Knie bedeckt haben, deswegen habe ich schon vorab passende Kleidung mitgenommen und mich umgezogen, es gibt hier aber auch Tücher, die man sich umbinden kann. Mit dem Ticket für die Moschee hatten wir auch Zugang zu einer Terrasse, von der man meiner Meinung nach den schönsten Blick auf den Neretva und die Stari Most hat, vor allem deswegen, weil hier keine Touristen sind. Leider neigte sich unsere Zeit in Mostar schon wieder dem Ende zu, deswegen gingen wir zum Busbahnhof zurück. Hier wären wir gerne länger geblieben, weil es noch so einiges zu entdecken gibt. Wir gingen noch ein letztes Mal über die alte Brücke und die gepflasterten Straßen der Altstadt, bis wir wieder an der Kirche und dem Friedensglockenturm vorbeikamen, wo der Bus schon auf uns wartete.

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Auch in Mostar herrscht viel Armut. Überall sieht man Zigeuner und vor allem auch kleine Kinder, die auf der Straße sitzen und betteln. Noch nie zuvor habe ich so viel Armut gesehen und ich kann nur sagen, dass das kein schöner Anblick  ist. Ich hätte den Leuten gerne etwas gegeben, allerdings wurden wir darauf hingewiesen, dass wir ihnen kein Geld geben sollen und etwas anderes hatte ich nicht dabei.

Würdest du dich trauen, von der Brücke zu springen?

 

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